Farben in Gesundheitsräumen: Wie sie Genesung und Wohlbefinden beeinflussen
- Ruum & Sinne

- 16. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Farben – ein evolutionäres Erbe mit Wirkung bis heute
Farbe ist für uns weit mehr als Dekoration. Sie ist ein elementarer Teil unseres Überlebens und Wohlbefindens. Schon in der Evolution spielte sie eine zentrale Rolle: Die Auswahl bekömmlicher Nahrungsmittel und eines sicheren Habitats wurde wesentlich durch Farbreize gesteuert. Bestimmte Farbtöne signalisierten Frische, Reife und Bekömmlichkeit – oder im Gegenteil Gefahr und Verderbnis (vgl. Buether, 2014).¹
Diese tief verankerte Verbindung von Farbe, Gesundheit und Sicherheit wirkt bis heute. Farben beeinflussen, wie wir uns fühlen, ob wir uns entspannen oder aktiviert werden – und sie können sogar körperliche Prozesse wie Stoffwechsel, Atmung oder Blutdruck beeinflussen (vgl. Birren, 1978).⁵
Die Kraft der Farben der Natur
Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass besonders die Farbe Grün eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden spielt. Studien belegen, dass Menschen, die im Grünen leben oder regelmäßig in die Natur blicken,erfreuen sich einer höheren Lebensqualität und besseren Gesundheit (Twohig-Bennett & Jones, 2018).²
Bereits der Sichtkontakt zu einem Garten kann Stress reduzieren und das Immunsystem stärken (Ulrich, 1984).³ Kein Wunder, dass das „Biophilic Design“ – also die Integration von Natur und naturnahen Farben in die Architektur – heute eine Schlüsselrolle in Gesundheits- und Bildungsbauten spielt.

Farbe als Partner auf dem Weg zur Gesundheit
Neben der Natur spielt Farbe auch im direkten Kontext von Gesundheitsräumen eine bedeutende Rolle. So zeigen Studien von Dr. Axel Buether und seinem Team, dass Farben in Intensivstationen nicht nur das Wohlbefinden steigern, sondern auch den Medikamentenverbrauch bei Patient:innen senken und den Krankenstand des Personals reduzieren können (Buether et al., 2017).⁶
Das bedeutet: Farben sind mehr als Stimmungsmacher – sie sind gesundheitsfördernde Faktoren, die ganz praktisch zur Genesung beitragen können.
Farbpsychologie für verschiedene Raumsituationen
Die gezielte Farbgestaltung in Gesundheitsbauten folgt keiner Mode, sondern ist funktional begründet:
Beruhigende Farben (Grün, Blau, Naturtöne): fördern Ruhe, Vertrauen und Regeneration – ideal für Patientenzimmer und Wartebereiche.
Aktivierende Farben (Gelb, Orange, warme Akzente): regen Kommunikation, Bewegung und Motivation an – sinnvoll in Therapie- und Bewegungsräumen.
Sanfte, warme Farbkombinationen: schaffen Geborgenheit und reduzieren Stress bei Personal wie Patient:innen.
Zu meiden: grelle, kalte oder sterile Farbtöne, die Angst, Unruhe oder Distanz verstärken können.
So entstehen Räume, die sowohl psychisch entlastend als auch physiologisch wohltuend
sind.
Farbe als Teil eines ganzheitlichen Gesundheitskonzepts
Farben wirken nicht isoliert, sondern immer im Zusammenspiel mit Licht, Akustik und Materialien. In der Planung von Kliniken, Praxen und Gesundheitszentren sollte deshalb ein ganzheitliches Konzept im Vordergrund stehen. Ziel ist es, Räume zu schaffen, die Genesung fördern, Stress reduzieren und allen Nutzenden – Patient:innen, Angehörigen und Mitarbeitenden – guttun.
Fazit
Farbe ist ein unsichtbarer Begleiter unseres Alltags – sie beeinflusst unsere Stimmung, unsere Gesundheit und sogar unsere Genesung. In Gesundheitsbauten eröffnet die bewusste Farbgestaltung ein enormes Potenzial: von der Reduktion von Stress über die Förderung von Heilungsprozessen bis hin zur Steigerung des Wohlbefindens aller Beteiligten.
Gezielt eingesetzt bergen Farben ein unglaubliches Potenzial im Gesundheitswesen.
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Quellen
Buether, A. (2014). Farbe – Evolution, Einfühlung, Ästhetik. transcript Verlag.
Twohig-Bennett, C., & Jones, A. (2018). The health benefits of the great outdoors: A systematic review and meta-analysis of greenspace exposure and health outcomes. Environmental Research, 166, 628–637.
Ulrich, R. S. (1984). View through a window may influence recovery from surgery. Science, 224(4647), 420–421.
Spence, C., & Piqueras-Fiszman, B. (2014). The Perfect Meal: The Multisensory Science of Food and Dining. Wiley Blackwell.
Birren, F. (1978). Color and Human Response. Wiley.
Buether, A., Wender, J., & Staffa, M. (2017). Farbe wirkt! Einfluss der Farbgestaltung auf Patient:innen und Personal in der Intensivmedizin. Zeitschrift für Intensiv- und Notfallmedizin, 54(5), 341–347.






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